Das Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte

Die IZRG-Schriftenreihe

Das 1992 gegründete Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte (IZRG) ist eine nicht rechtsfähige, der Universität Flensburg angegliederte wissenschaftliche Einrichtung ('An-Institut') mit Sitz in Schleswig.

Die im Prinzenpalais angelegte unmittelbare Nachbarschaft zum Landesarchiv unterstützt den Auftrag der regionalhistorischen Forschung nachhaltig. Allerdings hat das IZRG gleichrangig die weiteren Aufträge der Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit wahrzunehmen. Deutlich abweichend von vergleichbaren Institutionen ist das IZRG folglich nicht als reines Forschungsinstitut zu begreifen. Aufgaben und Struktur des Instituts sind im zuletzt 2001 fortgeschriebenen Statut festgelegt. Beraten wird der Vorstand des IZRG durch ein Kuratorium.

Geschichte des Instituts

Entstehung, Konstruktion und Aufgabenkanon des Instituts sind als ein geschichtspolitischer Reflex auf den spezifischen Umgang mit regionaler Zeitgeschichte in Schleswig-Holstein zu verstehen. Das IZRG verdankt seine Gründung der seit 1985 im Schleswig-Holsteinischen Landtag geführten Debatte über die Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen in Schleswig-Holstein. Der Forschungsstand zur regionalen Zeitgeschichte war - im Gegensatz zur sonstigen Landesgeschichte und im Vergleich mit Nachbarländern - außergewöhnlich defizitär.

Landtagsdebatten, ein einhelliger Parlamentsbeschluss und die gemeinsamen Überlegungen von drei Geschichtsvereinen ('Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein', 'Arbeitskreis für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins' und 'Beirat für Geschichte der Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein') bildeten im Jahre 1991schließlich die Grundlage für die Entscheidung der Landesregierung, das "Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte" (IZRG) zu gründen. Die nicht konfliktlose Standortwahl ging zugunsten der damaligen Pädagogischen Hochschule Flensburg aus, die sich offener zeigte als die Landesuniversität in Kiel, die - damals - vertreten durch ihr Historisches Seminar Schleswig-Holstein als "zeithistorisch nicht bedeutsam" einstufte.

Das Profil des Instituts

Aus den Rahmenbedingungen und den im Statut formulierten Aufgaben resultiert ein spezielles Profil des IZRG: In der Universität Flensburg sind die beiden Direktoren fest in das Lehrprogramm eingebunden. Auf die Zielgruppe zukünftiger Lehrkräfte im Sonder-, Grund- und Hauptschul- sowie Realschulbereich eingehend, ist das Lehrprofil fachwissenschaftlich grundständig und breit angelegt und wird zudem ein relevantes fachdidaktisches Angebot gewährleistet.

Die Forschungsansätze im IZRG entsprechen den üblichen an universitäre Forschung angelegten Standards: Die Wissenschaftler des IZRG kooperieren mit universitären Einrichtungen innerhalb und außerhalb Deutschlands, wobei die Kooperation mit dänischen Einrichtungen einen besonderen Stellenwert einnimmt. Auch die Forschungsvorhaben reichen inhaltlich über die Landesgrenzen hinaus, sind teilweise komparatistisch angelegt, werden in aktuelle Forschungsdebatten eingebunden. Die IZRG-Mitarbeiter sind in der wissenschaftlichen Community vernetzt, sie nehmen am wissenschaftlichen Austausch außerhalb des Landes teil und sind auf internationalen Konferenzen präsent. Eigene IZRG-Tagungen und -Konferenzen basieren vor allem auf der Kooperation im norddeutschen und skandinavischen Raum und entsprechen damit den Vorgaben des Statuts und strategischen Zielen der Universität Flensburg.

Auftragsgemäß ist das IZRG durch Eigeninitiative und Nachfrage von außen in Massenmedien und Öffentlichkeit sehr präsent. In Schleswig-Holstein gilt das IZRG inzwischen als die erste Adresse für Anfragen, Debatten und Publikationen aus dem regional- und zeithistorischen Kontext.

Zum besonderen Profil des IZRG gehört schließlich die eigene IZRG-Projektkultur: Aufgrund der Personal- und Mittelknappheit war das IZRG in den vergangenen Jahren stark darauf angewiesen, mit Hilfe von Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden Projekte durchzuführen, die andernorts von wissenschaftlichen Mitarbeitern getragen würden. Daraus ist eine Klientel von ein bis zwei Dutzend "jungen Leuten" entstanden, die sich als Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter oder als Doktorandinnen und Doktoranden mit dem IZRG verbunden fühlen, den Kontakt halten und immer wieder in Einzelfragen mit IZRG-Mitarbeitern zusammenwirken.

Schwerpunkte der Forschung

Gemäß dem Statut (§2) ist der zeithistorische Forschungsauftrag des IZRG breit angelegt und umfasst die "Geschichte der Demokratisierung, Geschichte der Arbeiterbewegung, Geschichte des Nationalsozialismus einschließlich seiner Vor- und Nachgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Mentalitätsgeschichte sowie die politische Zeitgeschichte in Schleswig-Holstein seit dem Beginn der Industrialisierung unter landes-, regional- und lokalgeschichtlichen Aspekten und im Kontext insbesondere mit der dänischen Geschichte". Vor dem Hintergrund der Gründungsgeschichte des IZRG lag bisher das Hauptgewicht in der Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein, unter dezidierter Berücksichtigung seiner Vor- und Nachgeschichte. Dieser Forschungsschwerpunkt fand in zahlreichen Vorhaben mit entsprechenden Publikationen Niederschlag; verbliebene Projekte werden in den kommenden Jahren abgeschlossen. Mit dem Hand-, Lese- und Lehrbuch "Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus" hat das IZRG eine aktuelle Zwischenbilanz vorgelegt.

Daneben bestehen als weitere inhaltliche Schwerpunkte die Erforschung der Minderheiten im Grenzraum, die deutsch-dänische Geschichte sowie die Perspektive der Ostsee. Als neuer Forschungsschwerpunkt wird die schleswig-holsteinische Nachkriegsgeschichte unter dem Leitbegriff "Strukturwandel" formuliert. Dieser bezieht sich sowohl auf die sektoralen Prozesse in der Landwirtschaft und in der Industrie im Nachkriegs-Schleswig-Holstein, als auch auf die Bereiche der Bildung und der Verwaltung. Im Blick sind dabei ebenfalls die Auswirkungen der Bundeswehr und des Tourismus auf den gesellschaftlichen Strukturwandel in der Region nach 1945.

Zunehmend richtet sich das Interesse des IZRG auch auf aktuelle fachdidaktische Fragestellungen, insbesondere auf Formen außerschulischer Geschichtsvermittlung. Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene begegnen 'Geschichte' nicht nur im Rahmen 'historischen Lernens' in Schule und Hochschule und durch die Fachwissenschaft. Diverse andere Ausformungen der uns umgebenden 'Geschichtskultur' haben ebenfalls großen Einfluss auf das individuelle und das kollektive 'Geschichtsbewusstsein'; hierzu gehören Orte der kollektiven Erinnerung wie beispielsweise Museen, Gedenkstätten oder Archive genauso wie (Massen)Medien und verschiedenste lebensweltliche Bezüge wie Alltagsgespräche und soziale Prägungen in Familie wie Gruppe. Auch so lernen wir historisch - im Gegensatz zum bewussten, absichtsvollen, reflektierten und methodischen Lernen in Schule und Hochschule jedoch meist unbewusst, beiläufig und zufällig. Diese außerschulische Geschichtskultur kann sehr wirkmächtigen problematischen Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein haben, weil sie früher, beiläufiger und in zeitlich höherem Maße auf uns Individuen wirkt als der (Geschichts-)Unterricht.

Diese ungeregelten, ja "anarchischen" Prozesse historischen Lernens begreift das IZRG als eine analytische wie normative Herausforderung für die Geschichtsdidaktik. Neben der kritischen Analyse vorhandener Geschichtsdarstellungen und -vermittlungen erarbeitet das IZRG selbst seriöse, fachdidaktisch ambitionierte Angebote. Hierbei steht die Entwicklung von innovativen Museumskonzeptionen genauso im Mittelpunkt der theoretischen und praktischen Arbeit wie die Möglichkeiten und Gefahren neuer Medien, hier insbesondere des Internets und des Fernsehens.

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